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Lux Aurumque - Licht und Gold


Hallelujas aus Licht und Gold
Neue Rheingauer Kantorei begeisterte mit virtuoser Gesangskunst
Rheingau-Echo, 16.07.2015

Oestrich-Winkel. (sm) — "Lux Aurumque" - schwierigster Gesang, perfekt dargeboten von der Neuen Rheingauer Kantorei und Dirigent Tassilo Schlenther.

Ein fliegender Teppich, geknüpft aus virtuoser Klangmalerei, schwebte bei den Konzerten der Neuen Rheingauer Kantorei in der Mittelheimer Basilika und in der Pfarrkirche St. Martin in Oestrich eine Woche später. "Lux aurumque - Licht und Gold" hieß das Programm, mit dem der vielstimmige gemischte Chor die zahlreichen Zuhörer in den Bann schlug. Organist und Leiter der Konzerte war Bezirkskanter Tassilo Schlenther. Allein seine Gesten und seine Mimik beim Dirigieren waren der Beobachtung wert.

Der nahezu 50 Mitglieder starke Chor selbst ist eine weitere Augenweide. In festliches Schwarz gekleidet, füllte er den gesamten Altarvorraum aus. Die klaren, die ätherische Schönheit von modern aufbereiteten geistlichen Liedern vermittelnden Stimmen der Sängerinnen und Sänger waren ein Erlebnis. Besonders die reinen "Halleluja"-Gesänge im engstmöglichen Kanon beim "Cantus Gloriosus" forderten ihnen und dem Dirigenten ein Maximum an Konzentration ab - ein einiziger um Sekundenbruchteile verzögerter Einsatz hätte dem Klangteppich ein Fädchen herausgerissen.

Gesungen wurden deutsche, lateinische und englische Liedtexte. Aus den biblischen Psalmen 46, 95 und 99 stammt der Text zu "Cantate Domino" von Karl Jenkins zum Auftakt des Programms. Es folgten "O Magnum Mysterium" von Morten Lauridsen, das bereits erwähnte "Cantus Gloriosus" des Polen Josef Swider und neun andere Stücke, unter anderem ein von Tassilo Schlenther gespieltes Orgelsolo von Zsolt Gárdonyi mit dem Titel "Mozart Changes" und eben auch der Chorsatz "Lux Aurumque" von Eric Whitacre, welcher den Konzerten ihren Titel gab.


Beim Untertitel "Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts" mag man zunächst an die vokale Avantgarde-Musik der 50er bis 70er Jahre denken, die mit ihrer Experimentierfreudigkeit, ihrer Auslotung, was man mit der menschlichen Stimme alles machen kann und der Sprengung jeglicher tonaler Grenzen ohne Zweifel wegweisend, aber oft auch nur schwer erfassbar war. Seit einigen Jahren sehen wir aber auch einige gehenläufige Tendenzen, insbesondere im angelsächsichen und skandinavisch-baltischem Raum: Tonsetzer wie Eric Whitacre, Morten Lauridsen, Ola Gjeilo oder Urmas Sisask haben offenbar ein Gefühl dafür, wie neue Musik im 21. Jahrhundert jenseits aller Avantgarde klingen kann.

Entscheidend ist die Tonalität und damit die Zugänglichkeit der Musik. Die im Konzert dargebotenen Kostproben liegen häufig im spannenden Feld zwischen klassischem Chorsatz und Weltmusik - sicher keine neue Avantgarde, aber auch keine beliebig austauschbare Unterhaltungsmusik. Übereinander angeordnete verschobene Strukturen und bewusst eingesetzte Dissonanzen stören immer wieder eine zu gefällig werdende Harmonik; der Chor muss sich manchmal bis zur Zehnstimmigkeit aufteilen, und der Rhythmus kann sehr vertrackt sein.